Bölsche, Drachen (1929): von Stein's report on the mokéle-mbêmbe
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- 24 September 2026
Wilhelm Bölsche’s Drachen: Sage und Naturwissenschaft, a short popular book on dragons, was published by Kosmos in Stuttgart in 1929. After a paragraph on Hagenbeck’s “half dragon, half elephant”, Bölsche prints a passage from the unpublished report of Captain Freiherr von Stein zu Lausnitz, leader of the German Likuala-Kongo expedition of 1913/14. Words in quotation marks are von Stein’s; the rest is Bölsche’s summary.
Ich verdanke sie der Freundlichkeit des Hauptmanns Freiherrn von Stein zu Lausnitz, des verdienstvollen Leiters der deutschen Likuala-Kongo-Expedition von 1913/14, deren wichtigstes Kartenmaterial inzwischen in den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“ erschienen ist. Ich gebe die betreffende Stelle (aus den noch unveröffentlichten zoologisch-botanischen Ergebnissen der Forschungsreise) mit gütiger Erlaubnis möglichst im Wortlaut wieder, um den Eindruck nicht abzuschwächen.
Ort ist diesmal das verwickelte Flußadernetz des südlichsten Kamerun unmittelbar zum untern Kongo, mit seinen Überschwemmungsgebieten, Wasserwäldern auf schwankendem Wurzelgrund und Raphiapalmensümpfen – eine der bisher unbekanntesten und auch unwegsamsten Stellen Afrikas.
Es handelt sich laut von Steins äußerst vorsichtigem Bericht um „einen sehr merkwürdigen Gegenstand“, der „möglicherweise nur in der Phantasie der Stromanwohner existiert“, „wahrscheinlicher aber doch irgendeinen greifbaren Untergrund hat“. Die Angaben stützen sich vorläufig mangels genauer eigener Erkundung auf „sonst recht zuverlässige und landeskundige eingeborene Quelle“ und sind „ganz unabhängig voneinander von erprobten Führern wiederholt gleichartig bestätigt“ worden.
Wesentlichen Inhalt bildet auch hier ein „Geschöpf, das die Uferbevölkerung dieser Teile des Kongobeckens, des unteren Ubangi und des Ssanga bis etwa hinauf nach Ikelemba als mokéle-mbêmbe bezeichnen und sehr fürchten“.
„In den weniger großen Strömen, wie in den beiden Likuala, soll es gänzlich fehlen, und auch in den genannten Stromteilen in nur sehr wenigen Individuen vorhanden sein. Außerhalb der Fahrrinne des Ssanga, z. B. etwa zwischen der Mbaiomündung und Pikunda, sollte zur Zeit der Expedition ein derartiges Geschöpf gerade sein Wesen treiben, also bedauerlicherweise in einem Flußabschnitt, der infolge des brüsken Abbruchs der Expedition nicht mehr zur Untersuchung gelangte. Aber auch im Ssômboarm fanden sich Hinweise auf das angebliche Tier. Die Erzählungen der Eingeborenen geben etwa folgendes Bild.
„Bevorzugter Aufenthalt sollen die nicht ganz seltenen, sehr tiefen Wirbelstellen sein, die der Strom in den konkaven Uferstrecken scharfer Richtungsänderungen vielfach ausgearbeitet hat.
„Es soll das Geschöpf da die häufigen, aus den Lehmsteilufern unter dem Wasserspiegel ausgewaschenen Höhlungen mit Vorliebe aufsuchen. Auch am Tage soll es das Ufergelände betreten, um dort seiner, was eigentlich gegen Sage spricht, rein pflanzlichen Nahrung nachzugehen. Besonders eine weiß-großblütige Uferliane mit kautschukhaltigem Milchsaft und apfelähnlich aussehender Frucht soll bevorzugte Äsung sein. Im Ssômboarm wurde mir einmal sogar in der Nähe einer Gruppe derartiger Pflanzen ein sehr frischer, gewaltiger Durchbruch durch das dichte Uferbuschwerk gezeigt, den das Tier kürzlich erst hinterlassen hätte, um zu dieser Nahrung zu gelangen. Die wie überall massenhaft aus dem Wasser an Land führenden Flußpferdwechsel und die außerordentlich begangenen, breiten Wildpfade, die auf weite Strecken den Uferrändern folgen und ihre Entstehung Elefanten, Flußpferden und Büffeln verdanken, erlaubten an dieser Stelle aber leider nicht, auch nur mit einiger Sicherheit irgendeine Fährte auszumachen …“
„Das Tier wird beschrieben als von graubrauner Farbe, mit glatter Haut und in Elefanten-, mindestens aber Flußpferdgröße. Es soll einen langen, beweglichen Hals und einen einzigen, sehr langen Zahn, der aber auch als Horn beschrieben wurde, besitzen. Einige sagten ihm auch einen sehr langen, kräftigen Schwanz in Alligatorenart nach. Kanus, die in seine Nähe kommen, sollten sofort angegriffen und umgeworfen, die Besatzung zwar getötet, aber nicht gefressen werden.“
Der Berichterstatter deutet hier die Denkbarkeit allgemeiner Gefahrsagen für solche Wirbelstellen bei hohem Wasserstande selbst für größere Kanus an, kehrt aber doch wieder zu dem Tierbilde zurück. Wesentlich viel mehr sei aus den Aussagen nicht zu gewinnen gewesen, wenn man märchenhafte Züge wie „Unverwundbarkeit und ähnliches“ beiseite lasse.
Eine zoologische Nebenvermutung, daß es sich um eine große Manatus-Art (also einen Vertreter der auch sonst in Flüssen und Seen des tropischen Westafrika bis in den Tsadsee verbreiteten sog. Seekühe, Trichechus, rein wasserangepaßter pflanzenfressender Elefanten-Altverwandten) handeln könnte, hat sich als unhaltbar erwiesen.
In einer privaten Mitteilung an mich erwähnt von Stein aus seinem Reisejournal noch eine Notiz „vom oberen Ssanga, aus Benassa zwischen Ouesse und Nola, also bereits aus der Region der Steinbänke und des überwiegenden Felsbettes …, wonach von dort wohnenden Ndsimu … eine ganz entsprechende Erzählung und Beschreibung“ gegeben wurde. „Zwei außerordentlich hochstehende Fullah aus der Garuagegend, die … sich die übliche Bângala-Verkehrssprache angeeignet hatten, folgten diesmal diesen Unterhaltungen und erzählten dann übereinstimmend von einem ganz ähnlichen, wenn auch seltenen Vorkommen im von hier doch so weit entfernten Benuë, der doch dem Niger-System angehört.“ Diese weite Verbreitung, meint von Stein, könne immerhin ein wenig mehr zur Erklärung durch Sage geneigt machen.
Translation
I owe it to the kindness of Captain Freiherr von Stein zu Lausnitz, the able leader of the German Likuala-Kongo expedition of 1913/14, whose most important maps have since appeared in the Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten. With his kind permission I give the passage in question (from the still unpublished zoological and botanical results of the expedition) as close to word for word as I can, so as not to weaken its effect.
The place this time is the tangled river network of southernmost Cameroon, running straight down to the lower Congo, with its flood plains, water forests on shifting ground of roots, and raffia-palm swamps: one of the least known and least passable parts of Africa so far.
According to von Stein’s extremely cautious report, it concerns “a very strange matter”, which “may exist only in the imagination of the people who live along the rivers” but “more probably has some tangible basis after all”. For now, lacking closer investigation of his own, the information rests on “an otherwise quite reliable local source who knows the country”, and has been “confirmed again and again, in the same terms, by experienced guides quite independently of one another”.
Here too the core is a “creature that the riverside people of these parts of the Congo basin, the lower Ubangi and the Sanga up to about Ikelemba, call mokéle-mbêmbe and greatly fear”.
“It is said to be entirely absent from the smaller rivers, such as the two Likualas, and to be present in only a very few individuals even in the stretches of river named. Outside the navigable channel of the Sanga, for instance somewhere between the mouth of the Mbaio and Pikunda, such a creature was said to be active at the time of the expedition, unfortunately in a stretch of river that could no longer be examined because the expedition was broken off so abruptly. But there were signs of the supposed animal in the Ssombo arm as well. The local people’s stories give roughly the following picture.
“Its favourite haunts are said to be the very deep eddies, not especially rare, that the river has worn out in many places along the concave banks where it turns sharply.
“There the creature is said to prefer the hollows, common enough, that the water has washed out of the steep clay banks below the waterline. It is said to come up onto the bank even by day to find its food, which is purely vegetable, a point that tells against its being a legend. Its favourite food is said to be a bankside liana with large white flowers, a milky latex and fruit that looks like an apple. In the Ssombo arm I was even shown, near a group of such plants, a very fresh, huge break through the thick bankside bush, which the animal was said to have made only recently to get at this food. But the hippo paths, as everywhere running in great numbers from the water onto the land, and the broad, heavily trodden game trails that follow the banks for long distances and were made by elephants, hippos and buffalo, made it impossible at that spot to pick out any one track with even a little certainty …”
“The animal is described as grey-brown, with smooth skin, the size of an elephant or at least of a hippopotamus. It is said to have a long, flexible neck and a single, very long tooth, which was also described as a horn. Some also credited it with a very long, powerful tail like an alligator’s. Canoes that come near it are said to be attacked at once and overturned, and the crew killed but not eaten.”
Here the writer suggests that stories of danger might attach in general to such eddies at high water, even for larger canoes, but he comes back to the picture of the animal. Not much more could be got from the accounts, he says, if one sets aside fairy-tale features such as “invulnerability and the like”.
A secondary zoological guess, that it might be a large manatee (one of the sea cows, Trichechus, found in the rivers and lakes of tropical West Africa as far as Lake Chad, entirely water-bound plant-eaters distantly related to elephants), has proved untenable.
In a private letter to me, von Stein adds a note from his travel journal “from the upper Sanga, from Benassa between Ouesse and Nola, that is, already in the region of rock bars and a mostly rocky bed …, where the Ndsimu who live there … gave a quite matching story and description”. “Two Fulbe men of very high standing from the Garua area, who … had learned the usual Bangala trade language, followed these conversations this time and then both told of a very similar, if rare, occurrence in the Benue, so far from here, which belongs to the Niger system.” This wide spread, von Stein thinks, may incline one a little more towards explaining it as legend.
Notes
- Transcription: Fraktur type; the long s is printed as s. Spelling and accents are as printed: “mokéle-mbêmbe”, “Ssômboarm”, “Bângala”, “Benuë”. The dash in the second paragraph is a long dash in the original. The ellipses (”…”) are Bölsche’s.
- Quotation marks follow the book, which opens a new „ at each quoted paragraph and closes only at the end of the quotation.
- The page breaks fall after “sollte” (end of p. 50) and before “Eine zoologische Nebenvermutung” (start of p. 52).
- Bölsche does not give the report’s date or its page. He says the passage comes from the expedition’s unpublished zoological and botanical results and that von Stein gave permission.
- On p. 52, after this passage, Bölsche mentions Koch’s reports of a giant water snake in Cameroon, then “two Belgians” who had reported a brontosaurus-like monster with a horn on its snout in the eastern Congo basin, which he says the English and American press made into a nonsensical sensation. On p. 53 he calls the link to a brontosaur “natural” but “not compelling”.
- The English version most writers use is Willy Ley’s (1941, 1948), which follows the same phrases but does not cite Bölsche.